Hubertus Rothwangl, Mitglied des RTK-Vorstands und Head of Sales AUSTRIA TREND HOTELS, erläutert im Interview mit RTK.Blog, warum es für die Tagungs- und Kongresshotellerie schon fünf nach zwölf ist und wie wichtig Hygiene- und Sicherheitskonzepte für das Vertrauen der Gäste sind.

Hubertus Rothwangl, Head of Sales AUSTRIA TREND HOTELS und Vorstandsmitglied der ARGE RTK (Round Table Konferenzhotels). Bild: ©Austria Trend Hotels

RTK.Blog: Wie viele Häuser betreibt AUSTRIA TREND HOTELS und wie ist die aktuelle Buchungslage?

Hubertus Rothwangl: Wir betreiben insgesamt 25 Hotels in Österreich und Slowenien. Jetzt fahren wir mit insgesamt zehn ausgewählten Hotels in Wien, Linz, Salzburg, Graz und Tirol sukzessive wieder hoch. Dazu zählt auch das jüngste Haus der Gruppe, BASSENA WIEN MESSE PRATER.

Die Buchungslage ist für uns momentan schwer einzuschätzen, eine rasche Verbesserung der Situation ist derzeit noch nicht absehbar. Da wir neben den beiden Resort Hotels in Tirol (Schloss Lebenberg Kitzbühel und Sporthotel Fontana Fieberbrunn) mit unseren Hotels einen ganz klaren Fokus auf die Stadthotellerie haben, sind wir hier dementsprechend extrem abhängig von den weiteren Entwicklungen der internationalen Reisetätigkeit. Das betrifft auch ganz besonders die Erreichbarkeit Österreichs und die Entwicklung der Geschäftsreisen und Kongresse. Eine sehr rasche Verbesserung ist derzeit noch nicht absehbar und der beinahe komplette Ausfall des sonst so starken zweiten Quartals wird in diesem Jahr nicht mehr zu kompensieren sein.

Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, welches Hotel wann geöffnet wird?

Von den 15 Hotels, die wir in Wien haben, haben wir uns dazu entschlossen, jene zuerst zu öffnen, die neben der aktuell bestehenden Buchungssituation auch vom Standort her über die nächsten Monate besonders interessant sind. Darüber hinaus waren die Kriterien auch die neuen Anforderungen der Gäste und Kunden, die in diesen Zeiten relevant sind. Das sind z.B. kostenfreies oder kostengünstiges Parken direkt im oder beim Hotel, großzügige Gästebereiche, Freiluftflächen, Freizeitangebot und Freizeitaktivitäten in unmittelbarer Nähe zum Hotel.

Parkmöglichkeiten sind aktuell besonders wichtig, da viele Gäste, ob Geschäftsreisende oder Familien, derzeit lieber mit dem Auto anreisen. Und wir haben die Hotels auch so ausgewählt, dass wir Meetings und Events anbieten können. Diese werden wieder angefragt.

Austria Trend Parkhotel Schönbrunn. Bild: ©Austria Trend Hotels

Da herrscht ja im Markt noch große Verunsicherung, was erlaubt ist und was nicht. Wie wirkt sich das bei Ihnen aus?

Zunächst waren ja bis Ende Juni keine Veranstaltungen gestattet. Daher wurde alles, was schon gebucht war, abgesagt  bzw. auf den Herbst verschoben. Hinzu kam das mündlich ausgesprochene Verbot von Großveranstaltungen bis Ende August. Daher wurden auch auf den Sommer verschobene internationale Kongresse gecancelt, und es werden auch zusätzlich schon weitere Kongresse für den Herbst abgesagt bzw. verschoben.

Das heißt, es gab keine Planungs- und Rechtssicherheit. Jetzt gibt es nach zweieinhalb Monaten Stillstand mit der COVID-19-Lockerungsverordnung vom 27. Mai im Meetingbereich neue Perspektiven. Andererseits bleiben auch viele Unsicherheiten, insbesondere auch im Hinblick darauf, wie es im Herbst weitergehen kann.  

Wie sieht es konkret mit der Nachfrage aus?

Wir haben Kunden, die auch während des Lockdowns immer wieder nachgefragt haben, ob sie ihre Seminare und andere Veranstaltungen durchführen können. Da konnten wir nur auf die Bestimmungen verweisen und vertrösten. Seit eine gewisse Öffnung kommuniziert wurde, kommen bei uns auch wieder vermehrt Tagungsanfragen herein. Das Interesse ist gegeben, und Firmen wollen Meetings abhalten.

Welche Maßnahmen haben Sie hier im Vorfeld getroffen?

Wir haben in der Verkehrsbüro Hotellerie ein eigenes Hygiene- und Sicherheitskonzept entwickelt. Hier geben wir die Message: Wir sorgen achtsam für die Gesundheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und unserer Gäste. Und dafür gibt es eine Reihe von Maßnahmen. Das sind

  • Schulung und Training aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu den Hygienemaßnahmen
  • Einhaltung von Vorgaben wie erhöhte Reinigungs- und Desinfektionsintervalle der öffentlich zugänglichen Bereiche
  • Desinfektionsstationen für Gäste
  • Zimmerreinigung nach einem strengen Reinigungs- und Desinifektionskonzept.

Für den Seminarbereich gibt es noch eigene Auflagen mit vorgegebenem Mindestabstand und Desinfektionsspendern in jedem Raum. In den Pausen achten wir darauf, dass die Räumlichkeiten bestmöglich durchgelüftet werden.

Austria Trend Hotel Europa Salzburg. Bild: ©Austria Trend Hotels

Wir haben Lösungen für eine angemessene und auch gut konsumierbare Verpflegung ausgearbeitet. Im Seminarbereich wird es in den Pausen unter strengen Auflagen weiterhin ein Buffet geben. Beim Mittagessen wird das, was normalerweise ein Buffet gewesen wäre, serviert.

Zur Abwicklung von B2B-Veranstaltungen: Würden Sie sich detailliertere Bestimmungen wünschen oder halten Sie es für besser, wenn jedes Hotel bzw. jede Hotelgruppe eigene Leitlinien im Rahmen der Vorgaben entwickelt?

Es wird so sein, dass jedes Haus anhand der Vorgaben ein eigenes Konzept für sich entwickelt. Aber von den generellen Informationen her ist nicht alles geklärt. Da gibt es noch Grauzonen.

Zudem tritt diese jüngste Verordnung vom 27.5. mit 31. August außer Kraft. Das würde bedeuten, dass ab 1. September wieder ein Normalbetrieb wie vor der Coronakrise herrschen würde. Das ist für uns jetzt der entscheidende Faktor: Wie können wir im Herbst planungstechnisch weitertun?

Es geht in eine positive Richtung, aber Planungssicherheit ist nach wie vor nicht gegeben. Und, was vor allem die Stadthotellerie und ganz besonders Wien betrifft, ist die Frage: Wie schaut es mit den internationalen Kongressen aus? Da gibt es ja nach wie vor keine Information, wie es mit Großveranstaltungen im Herbst weitergehen wird.

Wie rasch müsste denn diese Planungssicherheit kommen, damit Sie gut im Herbst weiterarbeiten können?

Die Lockerungsbestimmungen erlauben uns jetzt einmal, dass wir die Fahrt wieder aufnehmen können. Aber in Hinblick auf den Herbst und das nächste Jahr, hätten wir die Planungssicherheit am besten schon viel früher benötigt. Das ist nicht nur für die Hotellerie, sondern für die gesamte Eventbranche ein Riesenthema. Was Kongresse betrifft, wo ja auch eine große Wertschöpfung dranhängt, muss jetzt definiert werden, ob das geplant werden kann, ja oder nein. Aber diese Salamitaktik ist für unsere Branche tödlich.

Was können die Hotels selbst, was können die RTK-Hotels tun, um die Gäste zu motivieren, wieder Tagungen zu buchen?

An oberster Stelle stehen Sicherheit und Sauberkeit. Für die Hotels ist es ganz wichtig, hier ihre Maßnahmen laufend an die Gäste zu kommunizieren. Wenn Seminare vor Ort sind, geht es darum, die Kunden in die Maßnahmen einzuführen, damit auch sie dafür sorgen können, dass die Teilnehmenden sich an die Bestimmungen halten.

Austria Trend Hotel Schloss Lebenberg, Seminarraum unter freiem Himmel. Bild: ©Austria Trend Hotels

Zweitens wird es darum gehen, alle Möglichkeiten im Freien auszuschöpfen. RTK hat viele Mitgliedshotels in Regionen, wo die Natur eine große Rolle spielt und wo es auch viele Outdoormöglichkeiten gibt. Ein USP in der aktuellen Phase ist sicher, wenn Meetings im Freien abgehalten werden können. Auch Seminarpausen oder Mittagessen sollten möglichst im Freien angeboten werden.

Das sind die USPs, mit denen man jetzt bei den Kunden punkten kann, weil das alles mit Sicherheit und Gesundheit zusammenhängt. Je besser das jedes einzelne Hotel für sich aufsetzt, desto besser kann das auch RTK an die Kunden kommunizieren.

Welche weitere Unterstützung braucht es konkret, damit die Hotellerie diese Krise übersteht?

Zum einen: Planungssicherheit, klare Zeitperspektiven und klare Rahmenbedingungen für eine Wiederaufnahme des Tagungs- und Konferenztourismus.

Zum anderen: Liquidität, also finanzielle Zuschüsse, das ist aktuell das Wichtigste. Da muss jetzt schnelle Unterstützung kommen. Denn wenn die nicht eintrifft, kann dies für viele Betriebe für das restliche Jahr zu massiven Konsequenzen führen.

Wenn wir zum Abschluss noch einmal auf den Kongress- und Städtetourismus fokussieren: Wie ist hier die Perspektive aus Ihrer Sicht?

Was mir Sorgen bereitet, ist die internationale Reisetätigkeit. Ich glaube, wir werden bis Ende dieses Jahres maximal mit Reisenden aus Europa rechnen können. Ich kann mir aus heutiger Sicht nicht vorstellen, dass wir aus Amerika und Asien viele Touristen oder Geschäftsreisende erwarten können.

Wien Tourismus und die Österreich Werbung machen hier sicher einen tollen Job, um das Geschäft wieder anzukurbeln. Aber für uns werden die nächsten Jahre schwierig werden. Es wird wieder bergauf gehen, aber es wird dauern. Ein Normalzustand für den Städtetourismus in Anlehnung an das 2019er Jahr ist nach unseren Berechnungen und Prognosen optimistisch 2022, realistisch 2023 gegeben.

Hubertus Rothwangl, MBA, ist seit 2012 für die Verkehrsbüro Hotellerie GmbH in führender Position tätig. Als Head of Sales zeichnet er für die Vermarktung der AUSTRIA TREND HOTELS sowie weiterer Häuser im Gruppenportfolio verantwortlich. Seit November 2019 ist Hubertus Rothwangl Vorstandsmitglied der ARGE RTK Round Table Konferenzhotels. Die AUSTRIA TREND HOTELS sind Mitgliedsbetrieb von RTK.

Sie haben Ideen, Anregungen oder auch ein eigenes Fallbeispiel zum Umgang mit der Coronakrise? Schreiben Sie uns an konferenzhotels@rtk.at

Titelfoto: Austria Trend Hotel Doppio, Seminarraum. Bild: ©Austria Trend Hotels